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	<title>Orchis Tower</title>
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	<description>Social Media in China</description>
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		<title>Meng Zi und die Partei</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 19:18:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[In meinem vorletzten Posting hatte ich über die Maßnahmen zur sozialen Stabilisierung gesprochen, die die chinesischen Obrigkeiten anwenden, um des allgemeinen herrschenden Unmuts Herr zu werden, und hatte aus einem Artikel des Caijing Magazine zitiert, in dem die Mechanismen der Unmutskontrolle detailliert beschrieben werden. Sam Crane, Autor des Blogs &#8220;The Useless Tree&#8221; und Experte für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In <a href="http://orchistower.clubvolt.de/2011/06/11/stolz-und-unzufriedenheit/">meinem vorletzten Posting</a> hatte ich über die Maßnahmen zur sozialen Stabilisierung gesprochen, die die chinesischen Obrigkeiten anwenden, um des allgemeinen herrschenden Unmuts Herr zu werden, und hatte aus einem Artikel des Caijing Magazine zitiert, in dem die Mechanismen der Unmutskontrolle detailliert beschrieben werden.</p>

<p>Sam Crane, Autor des Blogs &#8220;The Useless Tree&#8221; und Experte für chinesische Philosophie, knüpft an die von mir angesprochene Diskussion an und zitiert in diesem Zusammenhang zwei Quellen.</p>

<p><span id="more-872"></span></p>

<p>Die eine ist ein <a href="http://www.nytimes.com/2011/06/10/opinion/10DeMesquita.html">Artikel aus der New York Times</a>, der sich mit der Frage beschäftigt, wie es Tyrannen eigentlich schaffen, zu überleben. Die These der Autoren:</p>

<blockquote>
  <p>Despotic rulers stay in power by rewarding a small group of loyal supporters, often composed of key military officers, senior civil servants and family members or clansmen. A central responsibility of these loyalists is to suppress opposition to the regime. But they only carry out this messy, unpleasant task if they are well rewarded. Autocrats therefore need to ensure a continuing flow of benefits to their cronies.</p>
  
  <p>If the dictator’s backers refuse to suppress mass uprisings or if they defect to a rival, then he is in real trouble. That is why successful autocrats reward their cronies first, and the people last.</p>
</blockquote>

<p>Ausgehend von diesem Gedanken zitiert Sam Crane den chinesischen Philosophen Meng Zi (auch: Menzius), der im vierten und dritten vorchristlichen Jahrhundert gelebt hat und dafür berühmt ist, dass er der Bevölkerung (oder zumindest den Eliten) ein Recht auf Widerstand gegen Despoten einräumte. Crane zitiert Meng Zi mit den Worten:</p>

<blockquote>
  <p>&#8220;The people are the most precious of all things.  Next come the gods of soil and grain.  The sovereign matters least.&#8221; (14.14/7B.14)</p>
</blockquote>

<p>Nun sind solche schönen und rechtschaffenen Worte wohlfeil, vor allem, wenn sie aus dem Mund (oder der Feder) von westlichen Gelehrten kommen, die nicht Kopf und Kragen riskieren, wenn sie sie äußern. Deshalb schauen wir wieder nach China, von wo uns <a href="http://cmp.hku.hk/2011/07/09/13649/">folgende Worte</a> erreichen:</p>

<blockquote>
  <p>Lately I’ve had a deep sense of anxiety as I’ve watched one occurrence after another of tensions between governments and people at the local level, which have become more an more acute. A number of officials at the local government level have abused their powers, again and again trampling the human rights, right to life and rights of property of ordinary people. Those affected turn to petitioning, make contact with the media, or go online to report their stories. If they turn to legal proceedings and other like methods in an attempt to protect the legitimate rights granted them in the constitution, they find that these channels for voicing their interests are blocked.  What’s more, local governments will level such charges as “slander” or “extortion of the government” to go after them, “arresting them across provincial borders” or simply locking them away in mental hospitals claiming that they are “psychological unsound.”</p>
</blockquote>

<p>Geschrieben hat dies Zhou Ruijin, ein renommierter alter Kader der kommunistischen Partei und ehemaliger Chefredakteur der People&#8217;s Daily, in der für ihre liberalen Positionen bekannten Parteizeitschrift <em>Yanhuang Chunqiu</em>. Übersetzt haben es wieder die unermüdlichen Scholaren vom China Media Project an der Hongkong Universität. Ganz in Meng Zi&#8217;s Sinn kommt Zhou in seinem Text zu einem harten Urteil:</p>

<blockquote>
  <p>These arrogant and unreasonable methods scraped the very bottom of the ethics of governance, seriously going against our Party’s political aim that says that “the Party works for the public, and exercises power for the people”.</p>
</blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>G+</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 17:57:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Announcements]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischendurch nur kurz die Mitteilung, dass ich meine Fundstücke aus Blogs und Online-Publikationen zum Thema China mittlerweile per Google Buzz einsammle und somit auch bei Google Plus vorführen kann. Das ist ein Kompromiss, ich warte und hoffe auf eine bessere Integration von G+ und Google Reader.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischendurch nur kurz die Mitteilung, dass ich meine Fundstücke aus Blogs und Online-Publikationen zum Thema China mittlerweile per Google Buzz einsammle und somit auch <a href="https://plus.google.com/109250892817731612388/buzz">bei Google Plus vorführen kann</a>. Das ist ein Kompromiss, ich warte und hoffe auf eine bessere Integration von G+ und Google Reader.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Stolz und Unzufriedenheit</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Jun 2011 01:27:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Celebration]]></category>
		<category><![CDATA[Earthly Powers]]></category>
		<category><![CDATA[Events]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer wieder fügen sich die kleineren Geschichten, die Blogs und professionelle Medien aus China heraustragen, zu größeren Bildern zusammen, die einen manchmal amüsieren, oft aber auch erschrecken oder deprimieren können. I. Heute zum Beispiel lese ich, dass fünf Dutzend prominente Köpfe aus dem High-Tech-Sektor sich in Shanghai versammelt haben, um anlässlich des bevorstehenden 90jährigen Jubiläums [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder fügen sich die kleineren Geschichten, die Blogs und professionelle Medien aus China heraustragen, zu größeren Bildern zusammen, die einen manchmal amüsieren, oft aber auch erschrecken oder deprimieren können.</p>

<p><span id="more-831"></span></p>

<p>I.</p>

<p>Heute zum Beispiel lese ich, dass fünf Dutzend prominente Köpfe aus dem High-Tech-Sektor sich in Shanghai versammelt haben, um anlässlich des bevorstehenden 90jährigen Jubiläums der Kommunistischen Partei Chinas <a href="http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2011/06/09/chinese-tech-ceos-pledge-to-walk-red-road/?mod=WSJBlog">revolutionäre Lieder zu singen und sich die Predigt eines Parteikaders anzuhören</a>. Darunter Robin Li, der Chef des Suchmaschinen-Giganten Baidu, und die beiden Chefs der großen Internetportale Sina und Sohu, Charles Chao und Charles Zhang.</p>

<p>Das Absingen roter Hymnen ist gerade wieder angesagt, seit der teils gefeierte, teils gefürchtete Linkspopulist Bo Xilai Anfang des Jahres alle Behörden, Schulen, Universitäten, Unternehmen und Staatsmedien der Millionenmetropole Chongqing <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2011/apr/22/red-songs-chinese-cultural-revolution">kommunistische Lieder anstimmen ließ</a>. Gleichzeitig wurden Sitcoms und Soap Operas aus den lokalen Fernsehprogrammen verbannt. Schon zuvor hatte Bo, der früher einmal Handelsminister Chinas war und jetzt Parteichef in Chongqing ist,  die Bevölkerung seiner Stadt millionenfach per SMS mit Sprüchen des großen Vorsitzenden Mao zu erbauen und auf die eigene Größe einzustimmen versucht.</p>

<p>Das könnte man auf den ersten Blick für harmlose Quixoterien halten, doch es ist wenig Harmloses an diesem Mann. Bei einem Feldzug gegen die Korruption in Chongqing, der im Herbst 2009 begann, ließ er mal eben über 1500 angebliche Gangster und korrupte Funktionäre verhaften, nicht wenige von ihnen wurden bei den Verhören gefoltert. In einer Art Schauprozess kam es zu mehreren Todesurteilen und Hinrichtungen, ein Anwalt namens Li Zhuang, der sich zu sehr für seinen Mandanten eingesetzt hatte, wurde ebenfalls festgesetzt und zu 18 Monaten Haft verurteilt.</p>

<p>Die Geschichte jenes Anwalts Li Zhuang, der in einem zweiten Strafverfahren, bei dem es um ähnliche Vorwürfe ging, zur Erleichterung Vieler dann doch Recht bekam, hatte kürzlich noch ein bitteres Nachspiel. Ein pensionierter Beamter hatte sich per Microblog über Bo Xilais Rolle bei dem Verfahren gegen Li lustig gemacht und den Parteichef als <a href="http://advocacy.globalvoicesonline.org/2011/06/07/china-netizen-sentenced-to-one-year-labour-education-for-mocking-at-leader/">&#8220;Herr Erektion&#8221;</a> betitelt. Darauf wurde er Ende April 2011 eingesperrt und zu einem Jahr Zwangsarbeit in einem Umerziehungslager verurteilt. Der Bescheid wurde der Familie so spät zugestellt, dass sie keine Chance mehr hatte, einen Anwalt einzuschalten oder Einspruch gegen das Urteil zu erheben.</p>

<p>Bo Xilai ist ein &#8216;Prinzling&#8217;, sein Vater gehörte mit Deng Xiaoping zur zweiten Führungsgeneration der Kommunistischen Partei, den sogenannten &#8220;Acht Ältesten&#8221;. Die Familie hat selbst unter der Kulturrevolution gelitten, sie waren fünf Jahre im Gefängnis und weitere fünf Jahre im Arbeitslager, die Mutter wurde dort zu Tode geprügelt und auch der Vater gefoltert. Umso erstaunlicher, wenn der Sohn jetzt Mao-Bibel und rote Kampfeshymnen aus der Mottenkiste holt, während er gleichzeitig seinem eigenen Sohn in Großbritannien eine Eliteausbildung gönnt.</p>

<p>II.</p>

<p>Während Bo Xilai mit seinen spektakulären Maßnahmen die Bevölkerung wieder hinter der roten Fahne zu sammeln versucht, macht sich andernorts der aufgestaute Frust weiterhin gewalttätig Luft. Nach den <a href="http://orchistower.clubvolt.de/2011/05/29/wochenruckblick-kw/">Protesten in der Mongolei und dem Selbstmordattentat in Fuzhou vor knapp zwei Wochen</a> berichtet man im Internet in dieser Woche über einen <a href="http://www.ministryoftofu.com/2011/06/migrant-worker-is-hamstrung-for-demanding-due-wages-massive-violent-conflict-ensues/">Aufruhr in der Stadt Chaozhou</a> in der Provinz Guangdong (Kanton). Ein 18jähriger Wanderarbeiter war von seinem Chef aufs Grausamste körperlich mißhandelt worden, weil er den ihm zustehenden Lohn eingefordert hatte. Nachdem die Polizei den Fall wieder einmal nicht so recht verfolgen wollte, kam es zu gewalttätigen Protesten und zu Straßenschlachten zwischen Wanderarbeitern und Einheimischen.</p>

<p>Und wieder hat auch ein Einzeltäter zugeschlagen, wie die Microblogs berichten: Gestern wurde eine junge Fernsehjournalistin in Beijing vor dem Hauptgebäude des staatlichen Fernsehsenders CCTV von einem Unbekannten angegriffen. CCTV-Moderatoren haben in großen Teilen der Bevölkerung keinen besonders guten Ruf. Da sie kaum mehr als Sprachrohre der Partei sind, kursiert für sie der wenig freundliche Spitzname &#8220;Fleischtrompeten&#8221;.</p>

<p>Der Angreifer &#8211; Gerüchte besagen, es handele sich um einen jener verzweifelten Bittsteller, die in großer Zahl in die Hauptstadt kommen, um dort, meist ohne Erfolg, ihre Anliegen vorzutragen &#8211; ging auf die Journalistin zu und fragte, ob sie bei CCTV arbeite. Als sie bejahte, zog er ein Messer und <a href="http://www.ministryoftofu.com/2011/06/picture-nose-of-cctv-female-reporter-chopped-off-by-stranger/">schnitt ihr die Nase ab</a>.</p>

<p>Doch wir wollen hier nicht nur mit blutrünstigen Geschichten Boulevardgelüste bedienen. Die Zeitschrift <a href="http://english.caijing.com.cn/">Caijing</a>, eine der mutigsten im Chor der chinesischen Medien, hat sich in einem größeren Bericht mit den genannten Bittstellern auseinandergesetzt, und damit, wie das chinesische System soziale Stabilität zu sichern versucht. Die zwei Autoren des Artikels, Xu Kai und Li Weiao, kommen zu dem Schluss, dass die Behörden mit ihren Maßnahmen das genaue Gegenteil dessen erreichen, was sie zu bewirken versuchen.</p>

<p>Der Artikel, den man in einer <a href="http://www.duihuahrjournal.org/2011/06/translation-machinery-of-stability.html">Übersetzung der Duihua (Dialog) Stiftung</a> auch auf Englisch lesen kann, beginnt mit der Schilderung eines Verkehrsunfalls. Ein mit mehreren Bittstellern und mit Sicherheitskräften, die deren Abschiebung aus der Hauptstadt Beijing überwachen sollten, völlig überbesetzter Kleinbus war nach 17stündiger Gewaltfahrt am frühen Morgen des 8. März irgendwo in der Provinz Hubei auf einen LKW aufgefahren, es hatte mehrere Verletzte gegeben.</p>

<p>Am Beispiel dieser Bittsteller und ihrer fruchtlosen Odyssee erläutern die Autoren die byzantinische Struktur des chinesischen Systems zur Sicherung sozialer Stabilität, das es seit den 80er Jahren gibt, das aber gerade in jüngster Zeit gewaltig gewachsen ist. Von der Hauptstadt mit ihrer Zentralregierung bis hinunter auf Dorfebene gibt es ein verzweigtes Netzwerk von Behörden, Kommittees, Justizeinrichtungen und Beratungsstellen, von offiziellen und inoffiziellen Sicherheitskräften, die mit Mitteln uralter oder modernster Sozialtechnologien Unzufriedenheit in der Gesellschaft auffangen, abfedern oder niederschlagen sollen.</p>

<p>Schauplatz der sozialen Unzufriedenheit ist natürlich vor allem der Wohn- oder Arbeitsort der Menschen, doch scheitern viele Konfliktparteien damit, ihr Anliegen dort zu Gehör zu bringen, gerade wenn es sich um soziale Ungerechtigkeiten oder Behördenwillkür handelt. Viele suchen deshalb den Weg in die Hauptstadt, in der Hoffnung, sich dort Gehör zu verschaffen.</p>

<p>Deshalb haben Provinzen, Freihandelszonen und wichtige Präfekturen jeweils Verbindungsstellen in Beijing eingerichtet, um diejenigen Bittsteller oder Beschwerdeführer, die sich bis nach Beijing vorgearbeitet haben, dort abzufangen oder einzusammeln und wieder zurück in ihre Heimat zu bringen.</p>

<p>Eine ganze Reihe weiterer Verbindungsstellen auf niedrigerer Ebene sind mittlerweile auf Drängen der Zentralregierung wieder geschlossen worden, unter anderem wegen des Verwaltungs- und Zuständigkeitschaos, das durch sie entstanden ist.</p>

<p>Daraufhin haben viele Lokalbehörden die Aufgabe, ihre Störenfriede wieder einzusammeln, an private Sicherheitsfirmen ausgelagert. Für die Bewachung und Fesselung werden pro Person feste Gebühren verlangt, der Transport hat je nach Entfernung und Umständen einen variablen Preis.</p>

<p>Über diejenigen Bittsteller, die es trotz all dieser Maßnahmen geschafft haben, ihr Anliegen bei den Beschwerdestellen der Zentralregierung vorzubringen, führen diese genau Buch. Im Jahr 2009 gab es allein aus der Provinz Hebei 15.700 reguläre Beschwerden. Seit 2009 werden nur noch &#8216;besondere&#8217; Beschwerden gezählt, und die Zahl dieser Beschwerden geht bei der Zentralregierung in die politische Evaluation der lokalen Behörden ein &#8211; wenn diese sich nicht mit Bußgeldern aus ihrer Verantwortung freikaufen.</p>

<p>All das hat dazu geführt, dass ein weit verzweigter, kaum noch überschaubarer Markt der Sozialstabilisierung entstanden ist, eine kleine Industrie, die selbst ein Interesse daran hat, dass das Beschwerdesystem in seiner bestehenden, völlig unfruchtbaren Form fortbesteht.</p>

<p>Natürlich liegt die Wurzel des Übels in der Verquickung von Politik und Justiz, und zu diesem Schluss kommen auch die Autoren des Artikels. Wegen der Klarheit und Nüchternheit ihrer Schlussfolgerungen, aber auch wegen des Pathos, das mitklingt, wenn solche Forderungen in China erhoben werden, möchte ich sie hier noch einmal selbst zu Wort kommen lassen:</p>

<blockquote>
  <p>[T]he pace of political reform—especially reform of the judicial system—needs to speed up. If you want society to be truly stable, you must first promote reform of the judicial system. Society’s “pressure valve” is a judicial system that is just, highly effective, publicly trusted, and able to check public power. If we promote reform of the judicial system and enable courts to truly carry out their role independently in accordance with the law, social conflict can come within the orbit of the law.</p>
  
  <p>Second, we should gradually expand democracy. Democracy means that citizens are in charge. Matters as great as the changing of administrations and as small as the price of water all get decided at the ballot box or through participation in public hearings. With the right to vote and channels for expression, the great majority of sources of instability can be eliminated naturally.</p>
  
  <p>Finally, the ruling party ought to change its thinking and enhance its abilities as far as governing is concerned. Based on the experiences of the countries of the world, social conflict in today’s society is not only difficult to avoid but also a natural phenomenon of a healthy functioning society. On the one hand, the government should make a personal commitment not to exceed its bounds, violate the law, or create elements of instability. On the other hand, civic organizations should be set free and civil society fostered so that, when there are conflicts, there are courts to adjudicate independently and non-governmental organizations to mediate independently. This will naturally lead to peace and unity and long-term social stability.</p>
</blockquote>

<p>Man kann nur darüber staunen, wie mutig und gut Journalismus auch unter schwierigsten Bedingungen sein kann,  und so dürfen wir zur Abwechslung auch mal ein bisschen neidisch nach China schauen.</p>
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		</item>
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		<title>Internet, Social Media und die Rückkehr des Politischen in China</title>
		<link>http://orchistower.clubvolt.de/2011/06/07/internet-social-media-und-die-ruckkehr-des-politischen-in-china/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 19:07:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogosphere]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Culture]]></category>
		<category><![CDATA[Online Publishing]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Vortrag von der re:publica 11 ist seit einiger Zeit im Videomitschnitt online: Dazu ein paar Updates: Fang Binxing, Präsident der Beijing University of Post and Telecommunication und &#8216;Vater der Großen Firewall&#8217;, den ich in meinem Vortrag auch kurz zu Wort kommen lasse, hat wenige Tage nach meinem Vortrag ein Missgeschick ereilt. Bei einem Gastvortrag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein <a href="http://re-publica.de/11/blog/person/lorenz-meyer-lorenz/">Vortrag von der <strong>re:publica 11</strong></a> ist seit einiger Zeit im Videomitschnitt online:</p>

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<p><br />
<strong>Dazu ein paar Updates:</strong></p>

<ul>
<li><p><em>Fang Binxing</em>, Präsident der <a href="http://www.bupt.edu.cn/">Beijing University of Post and Telecommunication</a> und &#8216;Vater der Großen Firewall&#8217;, den ich in meinem Vortrag auch kurz zu Wort kommen lasse, hat wenige Tage nach meinem Vortrag ein Missgeschick ereilt.</p>

<p>Bei einem Gastvortrag an der Universität der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wuhan#Wuchang_Uprising">traditionell rebellischen</a> mittelchinesischen Großstadt Wuhan warf ihm ein Student <a href="http://shanghaiist.com/2011/05/19/father_of_great_firewall_attacked_w.php">einen Schuh an den Kopf</a>. Bereits vorher hatte es Diskussionen über diese Aktion auf Twitter gegeben. Es wurden verschiedene Belohnungen ausgelobt, einige davon <a href="http://twitter.com/#!/limlouisa/statuses/71131867235094529">nicht ganz jugendfrei&#8230;</a> <img src='http://orchistower.clubvolt.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p></li>
</ul>

<p><span id="more-775"></span></p>

<ul>
<li><p>In den letzten Tagen ist viel über den Vorstoß des großen Portalbetreibers Sina.com diskutiert worden, seinen erfolgreichen <a href="http://t.sina.com">Microblogdienst Sina Weibo</a> gegen Ende des Jahres auch mit einem englischsprachigen Interface anzubieten. Sina Weibo hat <a href="http://digicha.com/index.php/2011/02/inside-sina-weibo/">eine reichere Funktionalität</a>, um die manche Twitter-Nutzer ihre chinesischen Freunde beneiden (ich hatte es im Vortrag als &#8220;Twitter auf Speed&#8221; bezeichnet).</p>

<p>Dennoch wird <a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/evanosnos/2011/06/can-twitter-be-made-in-china.html">mit guten Gründen bezweifelt</a>, dass ein englischsprachiges Sina Weibo Twitter ernsthafte Konkurrenz machen wird &#8211; zumindest in den freiheitlich orientierten westlichen Demokratien. Denn obwohl die Plattform im chinesischen Internet ein Hort verhältnismäßig freier Meinungsäußerung ist, unterliegt sie natürlich der strikten Kontrolle, die das gesamte chinesische Internet auszeichnet. Wie es in der Ankündigung heißt, wird der Dienst &#8220;den chinesischen Vorschriften unterworfen sein&#8221;. Und wer möchte schon ohne Not bei der Suche nach interessanten Beiträgen andauernd lesen: &#8220;Because of relevant laws, regulations and policies, these search results cannot be displayed.&#8221;</p>

<p>Aber vielleicht trägt der Vorgang ja zum wechselseitigen Lernen bei: Die chinesischen Behörden lernen aufs Neue, dass ihr restriktives Vorgehen international auf wenig Anklang stößt, und die Macher von Twitter lernen, wie man seinen Microblogging-Dienst zeitgemäß funktional aufrüstet.</p></li>
<li><p>Heute ist der 21-jähriger Musikstudent <em>Yao Jiaxin</em> <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2011/jun/07/chinese-student-executed-road-incident">hingerichtet worden</a>, der nach einem Verkehrsunfall eine 28-jährige Radfahrerin mit mehreren Messerstichen ermordet hatte. Yao hatte ein Berufungsverfahren vor dem Obersten Volksgerichtshof verloren. Er hatte angegeben, in Wut geraten zu sein, weil die &#8220;Bäuerin&#8221; (so seine Darstellung) die Nummer seines Autos notiert hatte, nachdem sie bei einer kleineren Carambolage vom Rad gestürzt sei.</p>

<p>Obwohl Yao keiner besonders reichen oder mächtigen Familie entstammt, war sein Fall in der chinesischen Netzöffentlichkeit im Zusammenhang mit anderen (auch in meinem Vortrag angesprochenen) Fällen diskutiert worden, in denen Söhne reicher oder mächtiger Eltern durch Verkehrsunfälle oder andere Gewaltakte aufgefallen sind. In einem Fall hatte sich der Fahrer, Sohn eines einflussreichen Polizeioffiziers, bei seiner Festnahme angeblich mit den Worten <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Li_Gang_incident">&#8220;Mein Vater ist Li Gang!&#8221;</a> herauszureden versucht.</p></li>
</ul>
]]></content:encoded>
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		<title>Der 35. Mai</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 20:34:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Celebration]]></category>
		<category><![CDATA[Earthly Powers]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter den Stichworten, die in China zu einer Zensur von Beiträgen im Internet führen, gehört auch der &#8220;35. Mai&#8221;. Man muss nur kurz überlegen, warum: Der Mai hat 31 Tage, der 35. Mai entspricht also dem (heutigen) 4. Juni. Am 4. Juni 1989 wurde die Freiheitsbewegung am Tian An Men gewaltsam niedergeschlagen. Deutsche kennen dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter den Stichworten, die in China zu einer Zensur von Beiträgen im Internet führen, gehört auch der <a href="http://chinadigitaltimes.net/space/The_thirty-fifth_of_May">&#8220;35. Mai&#8221;</a>. Man muss nur kurz überlegen, warum: Der Mai hat 31 Tage, der 35. Mai entspricht also dem (heutigen) 4. Juni. Am 4. Juni 1989 wurde die Freiheitsbewegung am Tian An Men gewaltsam niedergeschlagen.</p>

<p>Deutsche kennen dieses Datum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_35._Mai_oder_Konrad_reitet_in_die_S%C3%BCdsee">aus einem ganz anderen Zusammenhang.</a> Aber vielleicht hat der visionäre Erich Kästner geahnt, welche Bedeutung sein fiktives Datum einmal bekommen würde:</p>

<blockquote>Angeregt von der Idee des Pferdes gehen die drei durch den Dielenschrank und gelangen in eine Phantasiewelt, in der die seltsamsten Dinge passieren. So durchlaufen sie verschiedenste Länder, unter anderem: [...] Die verkehrte Welt, in der Kinder die Aufgaben von Erwachsenen übernehmen, tyrannische Erwachsene hingegen in eine Benimmschule geschickt werden. </blockquote>

<p><em>(Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_35._Mai_oder_Konrad_reitet_in_die_S%C3%BCdsee">Wikipedia</a>)</em></p>

<p>Die chinesische Kulturrevolution als Stoff eines berühmten deutschen Kinderbuchs &#8211; nur dass es sich bei Kästner anders als in China um eine eher freundliche Vision handelt.</p>

<p>(Übrigens wusste Kästner auch schon vom &#8220;Taschentelefon&#8221;!)</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Kein Fenster</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 22:57:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Earthly Powers]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Shanghaier Anwältin Li Tiantian gehört zu den Opfern der letzten großen Verhaftungswelle in China. Seit etwa einer Woche ist sie wieder auf freiem Fuß. Zunächst veröffentlichte sie in ihrem (inzwischen gesperrten) Blog nur einen sehr verschlüsselten Bericht über ihre dreimonatige Haft, doch seit dem 27. Mai erzählt Li auf Twitter detailliert über ihre Erfahrungen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div align="center"><img src="http://orchistower.clubvolt.de/wp-content/uploads/2011/05/litiantian-300x199.jpg" alt="" title="litiantian" width="300" height="199" class="aligncenter size-medium wp-image-115" /></div>

<p>Die Shanghaier Anwältin Li Tiantian gehört zu den Opfern der letzten großen Verhaftungswelle in China. Seit etwa einer Woche ist sie wieder auf freiem Fuß. Zunächst veröffentlichte sie in ihrem (inzwischen gesperrten) Blog nur einen <a href="http://www.siweiluozi.net/2011/05/li-tiantian-fable-of-hornet-bird-and.html">sehr verschlüsselten Bericht über ihre dreimonatige Haft</a>, doch seit dem 27. Mai erzählt Li auf Twitter detailliert über ihre Erfahrungen. Ein paar Auszüge:</p>

<p><span id="more-79"></span></p>

<blockquote>
  <p>Sogar mein Freund hat nicht wissen wollen, mit wem ich Sex gehabt hatte. Der Polizei lag das mehr am Herzen. Sie hatte die Männer identifiziert und wollte Details zu Protokoll nehmen: Wer hatte für das Hotel bezahlt? Wer hatte den Sex angeregt? Wie oft war es passiert? Wer hatte wen verführt? Ich sollte alles berichten, je detaillierter, desto besser.  <a href="http://twitter.com/#!/litiantian/status/74084965180121088">(Tweet)</a></p>
  
  <p>Da sie wirklich die Details meiner Bettgeschichten wissen wollten und ich mich an diese nicht mehr genau erinnerte, machte ich ihnen folgendes Angebot: Wenn ihr es wirklich wissen wollt, ladet doch die Männer ein, dann kann ich es euch noch einmal vorführen. Aber sie sagten, das wäre bestimmt nicht so gut wie in Pornofilmen, das erlauben wir nicht. <a href="http://twitter.com/#!/litiantian/status/74097598042079232">(Tweet)</a></p>
  
  <p>Glücklicherweise habe ich vor den Polizisten keine Tränen vergossen. Ich habe nicht die Selbstkontrolle verloren. Als ich sagte, wenn ihr mir nicht erlaubt, einen Anwalt hinzuzuziehen, werde ich keine Namen nennen und kein Protokoll unterschreiben, fragte mich ein Polizist, ob ich Schläge wolle. Er stand auf und kam auf mich zu um mich zu schlagen. Ich sagte, ich werde in dein Ohr oder deinen Hals beißen! Er zog mich an den Haaren und drohte, mich mit einer Schachtel zu schlagen. <a href="http://twitter.com/#!/litiantian/status/74139782703353856">(Tweet)</a></p>
  
  <p>[...] Ich sagte schnell: Du wirst mich wirklich schlagen, ich hab&#8217;s begriffen, ich habe Angst. Ich werde kooperativ sein und nichts mehr fordern. Du bist so männlich, ich mach mir gleich in die Hose. Ich brauchte wirklich dringend ein Klo. [...] <a href="http://twitter.com/#!/litiantian/status/74142984307867648">(Tweet)</a></p>
  
  <p>Ich musste innerlich viel Kraft aufbringen, um nicht den Verstand zu verlieren. Sieben oder acht mal wäre ich fast durchgedreht. Kein Fenster verfügbar? Ich dachte an alle, die verhungert oder während der Kulturrevolution gestorben sind. Was zählte da mein Problem? So beruhigte ich mich und blieb bei Verstand. [...] <a href="http://twitter.com/#!/litiantian/status/74146073811230720">(Tweet)</a></p>
  
  <p>Die Polizei wollte dass ich aufschreibe, wen ich über das Internet kenne. Es waren insgesamt ungefähr 30 Namen, inklusive derer, die ich aus Beihai erinnerte. Wie wir uns kennengelernt hatten, wie wir miteinander kommuniziert hatten. Was sie auch fragten, ich schrieb es detailliert auf. Sie zeigten sich zufrieden. Insbesondere interessierte sie mein Umgang mit Ai Weiwei, Liu Xiaoyuan und Tian Biao. Auch das habe ich aufgeschrieben, alles was ich wusste. <a href="http://twitter.com/#!/litiantian/status/74335741357985792">(Tweet)</a></p>
</blockquote>

<p><em>(Quelle: Chinesisches Original und englische Übersetzung <a href="http://globalvoicesonline.org/2011/05/30/china-detained-rights-lawyer-interrogated-about-sex-life/">bei globalvoicesonline.org</a>)</em></p>
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		<title>Wochenrückblick KW 21</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 21:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Input]]></category>

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		<description><![CDATA[David Bandurski analysiert die widersprüchlichen Signale, die in den letzten Tagen von der parteioffiziellen Zeitung People&#8217;s Daily ausgingen. Dort gab es neben üblichen Rufen zu Ordnung und Disziplin (die PR-Abteilungen bestimmter Partei- und Regierungsabteilungen haben in PD ihre eigenen &#8220;Autorennamen&#8221;) in den letzten Wochen einige Leitartikel mit bemerkenswerten Appellen zu mehr Vernunft, Toleranz und einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li><p>David Bandurski <a href="http://cmp.hku.hk/2011/05/27/12748/">analysiert die widersprüchlichen Signale</a>, die in den letzten Tagen von der parteioffiziellen Zeitung People&#8217;s Daily ausgingen. Dort gab es neben üblichen Rufen zu Ordnung und Disziplin (die PR-Abteilungen bestimmter Partei- und Regierungsabteilungen haben in PD ihre eigenen &#8220;Autorennamen&#8221;) in den letzten Wochen einige Leitartikel mit bemerkenswerten Appellen zu mehr Vernunft, Toleranz und einer größeren Offenheit gegenüber Nöten und Stimmen aus der Bevölkerung.</p>

<p>Bandurski verweist auf eigene frühere Analysen zu den aktuellen Frontlinien zwischen Hardlinern und Moderaten innerhalb der KPCh und erinnert an den bevorstehenden Führungswechsel in der Partei im Jahre 2012. Die Hardliner (wie Ex-Handelsminister Bo Xilai in Chongqing) stehen für die immense Ausweitung des Sicherheitsapparates in den letzten Monaten und können für die Welle an Entführungen und willkürlichen Verhaftungen von Anwälten, Bloggern und Bürgerrechtlern verantwortlich gemacht werden.</p>

<p>Bandurski illustriert die ambivalente Rolle von People&#8217;s Daily anhand eines Konfliktes in den frühen 80er Jahren, als der PD-Chefredakteur Hu Jiwei sich erfolgreich gegen Anfeindungen des Hardliners Hu Qiaomu behaupten konnte. Damals ging es um den Demokratie-Aktivisten Wei Jingsheng.</p></li>
</ul>

<p><span id="more-63"></span></p>

<ul>
<li><p>Mehrere Texte über Qian Mingqi, den Bombenattentäter aus Fuzhou in der Provinz Jiangxi, mit Anklängen an Yang Jia, den Mann aus Peking, der vor einigen Monaten in einer Polizeiwache in Shanghai sechs Polizisten tötete:</p>

<ul>
<li><p>Der Shanghaiist hat die <a href="http://shanghaiist.com/2011/05/27/jiangxi-bomber-qian-mingqi.php">Hintergründe der Tat</a> recherchiert.  Der Artikel endet mit den Worten</p>

<blockquote>
  <p>What a sad day this is for China.</p>
</blockquote></li>
<li><p>Noch pessimistischer klingt es im <a href="http://chinageeks.org/2011/05/500-posts-reflections-on-chinas-future/">Beitrag von Charles Custer</a> in den China Geeks:</p>

<blockquote>
  <p>Everything I see, from the internet to my daily interactions with regular people, is telling me that things are getting worse and people are not happy. The atmosphere is very different from the way it was even a year ago. Some of that may just be me, but not all of it; even the apolitical Chinese people I know seem to be feeling it.</p>
</blockquote></li>
</ul></li>
<li><p>Jonathan Watts war in der Inneren Mongolei, um über die dortigen Unruhen zu berichten. Han-chinesische LKW-Fahrer hatten einen mongolischen Schäfer überfahren, der sich ihnen (anscheinend gemeinsam mit anderen) auf seinem Weideland entgegenstellen wollte. <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2011/may/27/tensions-herders-miners-inner-mongolia">Watts Analyse im Guardian</a> über die Vorfälle stellt fest, dass es sich weniger um einen ethnischen Konflikt handelt als um einen zwischen der Landbevölkerung, die um ihre Weideländer bangt, und den Repräsentanten der Regierung und der Bergbaugesellschaften, die die Innere Mongolei in ihrem Sinne entwickeln wollen:</p>

<p>In der letzten Nacht hatte Watts via Twitter davon berichtet, dass ihn Sicherheitskräfte in seinem Hotel aus dem Schlaf gerissen hatten.</p>

<p>Hintergrund zur Inneren Mongolei gibt es wiederum <a href="http://chinageeks.org/2011/05/a-murder-and-protests-in-inner-mongolia/">von Charles Custer</a> bei China Geeks:</p></li>
<li><p>Noch ein Rückblick auf den <a href="http://cmp.hku.hk/2011/04/28/11944/">bemerkenswerten Artikel von Mao Yushi</a> bei Caixin Online, in dem der 82-jährige Ökonom mit dem Erbe Mao Zedongs abrechnet. Der <a href="http://www.economist.com/node/18744533">aktuelle Economist berichtet</a>, dass eine Gruppe von Linken eine Kampagne zur Verhaftung Mao Yushis gestartet hat.</p></li>
<li><p>Der Konflikt zwischen moderaten und liberalen Kräften einerseits und wieder erstarkenden Hardlinern und Maoisten andererseits beschäftigt die Medien seit einiger Zeit. Neben einer Titelgeschichte im Economist vor einigen Wochen gab es am 18. Mai eine <a href="http://cmp.hku.hk/2011/05/18/12410/">lesenswerte Analyse beim China Media Project</a>  und einen <a href="http://www.smh.com.au/business/chinas-party-princelings-fight-for-a-chance-to-go-back-to-the-future-20110523-1f0pu.html">Beitrag von John Garnaut im Sydney Morning Herald</a> über die &#8220;Prinzlinge&#8221;.</p></li>
<li><p>Bereits in der ersten Wochenhälfte wurde bekannt, dass eine Reihe ganz normaler chinesischer Bürger als unabhängige Kandidaten bei den Wahlen zum Volkskongress antreten wollen. John Kennedy von Global Voices präsentiert eine <a href="http://globalvoicesonline.org/2011/05/26/china-netizens-declare-candidacy-in-upcoming-elections/">Liste von Namen</a>.</p>

<p>Den Anstoß gegeben hatte <a href="http://www.ministryoftofu.com/2011/05/chinese-petitioner-runs-for-election-as-independent-candidate-harassed-and-detained-by-local-govt-and-police/">Liu Ping, eine Arbeiterin im Ruhestand</a>, die ihre freie Kandidatur in der Provinz Jiangxi unter anderem mit einer Kampagne auf Sinas Microblogging Service betrieben hatte. Liu Ping wurde am 12. Mai von der Polizei verschleppt, nach heftigen Protesten ist sie mittlerweile wieder auf freiem Fuß.</p></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Tage des Lachses</title>
		<link>http://orchistower.clubvolt.de/2010/10/09/der-tag-des-lachses/</link>
		<comments>http://orchistower.clubvolt.de/2010/10/09/der-tag-des-lachses/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 09 Oct 2010 17:46:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Celebration]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit gestern mittag bekannt wurde, dass der inhaftierte chinesische Bürgerrechtler Liu Xiaobo den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält, rollt eine große Welle der Aufregung und des Glücks durch China und seine Online-Communities. Trotz massiver Zensurmaßnahmen wird das Ereignis überall im Netz gefeiert, vor allem in den schwer zu kontrollierenden Mikroblogs. Ein paar herausgegriffene Stimmen (meine Übersetzung): Ye [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div align="center"><div id="attachment_756" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/liu_xiaobo-300.jpg" alt="&lt;em&gt;Liu Xiaobo (Foto: Wikimedia)&lt;/em&gt;" title="liu_xiaobo-300" width="300" height="305" class="size-full wp-image-756" /><p class="wp-caption-text"><em>Liu Xiaobo (Foto: Wikimedia)</em></p></div></div>

<p>Seit gestern mittag bekannt wurde, dass der inhaftierte chinesische Bürgerrechtler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liu_Xiaobo"><strong>Liu Xiaobo</strong></a> den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält, rollt eine große Welle der Aufregung und des Glücks durch China und seine Online-Communities. Trotz massiver Zensurmaßnahmen wird das Ereignis überall im Netz gefeiert, vor allem in den schwer zu kontrollierenden Mikroblogs.</p>

<p><span id="more-728"></span></p>

<div align="center"><div id="attachment_738" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/salmon_kl.jpg" alt="Um die Zensur zu umgehen, wird der Lachs kurz zum Synonym für die Verleihung des Friedensnobelpreises (Foto: Isaac Mao / flickr)" title="salmon_kl" width="400" height="241" class="size-full wp-image-738" /><p class="wp-caption-text"><em>Um die Zensur zu umgehen, wird der Lachs kurz zum Synonym für die Verleihung des Friedensnobelpreises (Foto: Isaac Mao / flickr)</em></p></div></div>

<p>Ein paar herausgegriffene Stimmen (meine Übersetzung):</p>

<p><strong>Ye Fu, <a href="http://www.bullock.cn/blogs/yefu/archives/142010.aspx">Blogeintrag vom 8. Oktober 2010, 20:33:</a> </strong></p>

<p><strong>Heute haben wir keine Feinde</strong></p>

<p>Heut nacht ist Kalter Tau, heikles Wort wird geehrt mit heiklem Wort <br />
Heut nacht fällt starker Regen auf die Provinz Hainan, es ist noch immer stockfinster in Jinzhou und China<br />
 Die Tränen zahlloser Menschen sind wie Regen, die spätherbstlichen Flüsse beginnen zu erstarren <br />
Selbst der Sternenhimmel darf sich nicht zeigen, doch heut nacht wissen wir den Norden trotzdem zu finden</p>

<p>Heut nacht im Norden beginnt die eiserne Schwelle der Tür zu gefrieren <br />
Mein Bruder ist bis heute in Haft, aber er weint nicht<br />
 Heut nacht hat er keine Feinde, auch wir haben keine <br />
 Aber morgen wird alles neu festgelegt und voneinander unterschieden</p>

<p>Heut nacht hört die ganze Welt, wer in der Hölle an die Tür klopft <br />
Die Lästerer schimpfen immer noch mit schwacher Stimme <br />
Heut nacht wird selbst die Stimme des Premierministers ausgesperrt <br />
Das Volk darf nur feiern: Pandas in Europa bekommen Nachwuchs!</p>

<p><em>(Anmerkungen: Ye Fu ist Schriftsteller und Verleger. Er hat bereits an der Bürgerrechtsbewegung von 1989 teilgenommen. &#8220;Ich habe keine Feinde&#8221; ist ein Zitat von Liu Xiaobo. Kalter Tau ist ein Tag im lunaren chinesischen Kalender. Zu den Pandas: In den TV-Abendnachrichten war von Liu Xaobos Nobelpreis keine Rede)</em></p>

<p><strong>Miniblogs auf Sina:</strong></p>

<p><strong>Su Xiaohe:</strong> In der Nacht des 8. Oktobers vergießen wir allesamt Tränen des Glücks. In der ersten Hälfte betrinken wir uns, in der zweiten lieben wir uns, machen keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht bis der Morgen graut. Auf der Straße zeigt ein Bruder der nächtlichen Szene den Finger, ein anderer wird von der Polizei mit aufs Revier genommen. Er ist offenkundig betrunken, fragt: Ist es denn gegen das Gesetz, dass ich glücklich bin?</p>

<p><strong>Su Xiaohe:</strong> Von heute an lasst uns alle um unser eigenes Chinesisch ringen, und um unsere Freiheit<br />
<em>(Anm.: Liu Xiaobo stottert ein bisschen.)</em></p>

<p><strong>Deng Fei:</strong> Der Buchkanal der Xinhua Nachrichtenagentur empfiehlt heute “The Long Road to Freedom. Nelson Mandelas Biographie”. Dieser sagt: “Das Gesetz macht mich zu einem Kriminellen. Aber meine Schuld besteht nicht in etwas, das ich getan habe, sondern darin, wofür ich stehe, in meinen Gedanken, meinem Gewissen.”  Von Herzen Dank an die Kollegen von Xinhua, die dieses gute Buch empfohlen haben. Sehr instruktiv.</p>

<p><strong>Feng Lun:</strong> Schätzt die Bedeutung von Idealen nicht falsch ein. Ideale sind das Licht am Ende der Finsternis. Wegen dieses Lichtes geht man mutig voran, auch wenn das nicht bedeutet, dass es unterwegs keine Schmerzen gibt. Aber ohne Ideale gibt es nur Furcht und Tod. Menschen ohne Ideale sind jeden Tag nur mit Furcht und Schrecken konfrontiert. Menschen mit Idealen sehen das Licht, das macht den Unterschied. Nur deshalb können wir weitermachen, weil in unseren Herzen dieses Licht existiert.<br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist ein bekannter Immobilienunternehmer.)</em></p>

<p><strong>Auf Twitter:</strong></p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/buchimifan/status/26823863729"><strong>Ping Ke:</strong></a> Wir überwinden, überwinden, überwinden eine Mauer, dann prallen wir gegen eine weitere Mauer. Einige schlagen mit dem Kopf gegen die Wand, andere werden zu einem ihrer Mauersteine. <br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist ein Pekinger Journalist, ehemaliger Radiomoderator und Podcaster. Video-Interview (bei Danwei) <a href="http://www.danwei.org/blogs/china_blogger_conference_inter.php">hier</a>.)</em></p>

<div align="center"><div id="attachment_747" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/pingke_medium.jpg" alt="&lt;em&gt;Journalist Ping Ke (im Vordergrund): Wir überwinden, überwinden, überwinden eine Mauer (Foto:LLM)&lt;/em&gt;" title="pingke_medium" width="400" height="301" class="size-full wp-image-747" /><p class="wp-caption-text"><em>Journalist Ping Ke (im Vordergrund): Wir überwinden, überwinden, überwinden eine Mauer (Foto:LLM)</em></p></div></div>

<p><a href="http://twitter.com/#!/huyong/status/26834457150"><strong>Huyong:</strong></a> Erhebt das Glas! Auf die Leidenden, auf ihre Frauen! Auf China, auf den Frieden!<br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist ein bekannter Bildungs- und Medienexperte)</em></p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/zhanghui8964/status/26832523414"><strong>Zhanghui8964:</strong></a> Die Bürgerbewegung muss sich auf die gegenseitige Unterstützung warmherziger Bürger verlassen können, wenn sie vorankommen will. Denn wenn es diesen Geist gegenseitiger Unterstützung nicht gibt, wenn sich niemand um die Kämpfer kümmert, die gerade an der Front stehen, dann sind alle Deklaration, die wir Intellektuellen entwerfen, hohl und stinkend.</p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/zuola/status/26832779558"><strong>Zuola:</strong></a> Mein Bruder wusste nichts von Liu Xiaobo. Er wusste nicht, wer den Friedensnobelpreis in diesem Jahr gewonnen hat. Er sagt, im Fernsehen war davon keine Rede.<br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist ein Bürgerjournalist. Hintergrund zur Person und Interview <a href="http://orchistower.clubvolt.de/?p=30">hier</a>.)</em></p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/puzhiqiang/status/26832715328"><strong>Pu Zhiqiang:</strong></a> Ich schlage vor, dass die nationalen und internationalen Medien zu Liu Xiaobos Preis Interviews mit den Strafrechtsprofessoren Gao Mingxuan, Zhao Bingzhi und Chen Weidong führen. Die haben die harte Bestrafung Xiaobos damals ganz begeistert kommentiert, so dass sie fast gerufen hätten: “Lang lebe die Regierung!” Ihre Einschätzung ist bestimmt hörenswert.<br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist ein bekannter Bürgerrechtsanwalt)</em></p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/lianyue/status/26832695170"><strong>Lian Yue:</strong></a> Hört auf, am Ende einer glücklichen Sache zu seufzen: “Aber die Menschen in meiner Umgebung sind so kalt!” &#8211; Wie kalt? Kälter als das Gefängnis? Seid einfach selber warm.</p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/lhplawer/status/26835072379"><strong>lhplawer:</strong></a> Die Stimmung ändert sich: Taxifahrer, Polizisten, Hausfrauen, Geschäftsleute, alle finden es gut, dass Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis bekommt. Das Außenministerium findet es schlecht. Die sind wirklich ein Außenministerium, vertreten nicht die Ansichten im Innern des Landes. <br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist Rechtsanwalt)</em></p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/charnelszhang/status/26740731898"><strong>Charles Zhang:</strong></a> Ich gratuliere Liu Xiaobo aus meiner zweiten Heimat, und nur in meiner zweiten Heimat kann ich mich so frei äußern.<br />
<em>(Anm.: Der Verfasser ist Chef der <a href="http://www.scarlatti.de/?p=619">großen Onlinemediengruppe Sohu</a> und befindet sich zur Zeit in den USA)</em></p>

<p><a href="http://twitter.com/#!/wangguangze8964/status/26756896454"><strong>Wang Guangze:</strong></a> Ich bin so glücklich! Die örtliche Polizei hat angerufen und gesagt, ich solle heute besser zuhause bleiben und mich im Geheimen freuen. Lustig!</p>

<p><em>(Many thanks to my chinese friends for their support!)</em></p>
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		<item>
		<title>Die Portale der Chinesen</title>
		<link>http://orchistower.clubvolt.de/2010/10/02/die-portale-der-chinesen/</link>
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		<pubDate>Sat, 02 Oct 2010 20:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Online Publishing]]></category>
		<category><![CDATA[Portals]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern habe ich in der Redaktionskonferenz des immer noch reichweitenstärksten deutschen Webportals, T-Online, vor ungefähr 50 Teilnehmern eine Screenkritik vorgetragen. Die Vorbereitung dazu und die Diskussionen, die ich dort geführt habe, haben mir wieder klar gemacht, wie interessant und wichtig es ist, sich mit dem Portalgeschäft zu beschäftigen. Als typischer Purist eines &#8216;besseren&#8217; Online-Journalismus hab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich in der Redaktionskonferenz des immer noch reichweitenstärksten deutschen Webportals, T-Online, vor ungefähr 50 Teilnehmern eine Screenkritik vorgetragen. Die Vorbereitung dazu und die Diskussionen, die ich dort geführt habe, haben mir wieder klar gemacht, wie interessant und wichtig es ist, sich mit dem Portalgeschäft zu beschäftigen.</p>

<p>Als typischer Purist eines &#8216;besseren&#8217; Online-Journalismus hab ich lange über diese spezifische Mischung aus Copy-und-Paste-Journalismus, Service- und Entertainmentangeboten die Nase gerümpft. Viele Jahre war ich außerdem der Meinung, dass das Konzept Webportal ein Auslaufmodell ist, das nur noch durch die Trägheit von Nutzern am Leben erhalten wird, die bei Internetzugang (T-Online), Suche (Yahoo) oder E-Mail (T-Online, Web.de, GMX) auf Seiten hängenbleiben, die ihnen eigentlich nicht mehr bieten, als ein paar Sekunden wohlfeiler Ablenkung. Dass ich mit dieser Auffassung ziemlich falsch lag, habe ich erst über einen längeren Umweg begriffen, der viel mit chinesischen Erfahrungen zu tun hat.</p>

<p><span id="more-619"></span></p>

<p>Anfang 2007 sollte eine chinesische Bekannte, eine erfahrene Printjournalistin aus Peking, die Chefredaktion von sohu.com, einem der vier großen Onlineportale Chinas, übernehmen. Beiläufig bat sie mich, ihr ein paar Zeilen darüber aufzuschreiben, wie ich das Portalgeschäft verstehe. Als Resultat entstand ein zweiteiliger Text (<a href="http://www.scarlatti.de/?p=173">Teil 1</a> / <a href="http://www.scarlatti.de/?p=174">Teil 2</a>), der meinen Kenntnisstand zu jener Zeit wiederspiegelt und noch geprägt ist von der damals gerade aktuellen Diskussion um Web 2.0 im Onlinejournalismus. In einem geplanten dritten Teil wollte ich die unterschiedlichen Positionen der beiden großen Rivalen Yahoo und Google diskutieren und letztlich behaupten, dass Yahoo als Dinosaurier des klassischen Portalbusiness am Ende sei, und dass Google mit seinem Konzept der Vernetzung dezentraler Akteure und Inhalte die Zukunft gehöre. Das schien mir dann aber doch zu defätistisch für meine Adressatin, und ich verzichtete erstmal auf dieses abschließende Kapitel.</p>

<p>Ein paar Monate später bat mich Annette Milz, für das Medium Magazin einen Meinungsbeitrag zum Thema Orientierung im Web beizusteuern, und ich nutzte die Gelegenheit, um ein paar Gedanken über etwas auszuprobieren, das ich <a href="http://www.scarlatti.de/?p=298">&#8216;virtuelle Marken&#8217;</a> nannte: eine Art Gütesiegel für dezentrale Medieninhalte, das durch eine Mischung aus kollaborativen Filtermechanismen und redaktioneller Auswahl zustande kommt, und das dem Leser hilft, die Inhalte zu finden, die zu ihm passen. Zu dieser Zeit begann man in der Medienszene den Begriff des &#8216;Kuratierens&#8217; von Informationsangeboten zu verwenden, und meine Überlegungen stehen unter dem Eindruck dieser Diskussion.</p>

<p>Wie genau solche &#8216;virtuellen Marken&#8217; aussehen könnten, darüber wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu sagen, als dass sie möglicherweise dann doch irgendwie portalähnliche Plattformen verwenden könnten, die mit Hilfe Web-2.0-spezifischer Mechanismen individualisierbar wären.</p>

<p>In den Jahren 2007 und 2008 lernte ich dann die großen chinesischen Portalseiten kennen, zuletzt etwas gründlicher während meines Forschungssemesters im Winter 2008/2009.</p>

<p><div id="attachment_637" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/sohu_building.jpg" alt="&lt;em&gt;Sohu Office Building in Peking, dahinter: Microsoft (Foto:LLM)&lt;/em&gt;" title="sohu_building" width="400" height="300" class="size-full wp-image-637" /><p class="wp-caption-text"><em>Sohu Office Building in Peking, dahinter: Microsoft (Foto:LLM)</em></p></div>
Wer nur Seiten wie T-Online, GMX oder meinetwegen auch MSN oder Yahoo kennt, macht sich keine Vorstellung davon, wie die gewaltigen asiatischen Webportale aussehen. Zunächst fällt auf, dass die Startseiten von <a href="http://www.sina.com.cn">Sina</a>, <a href="http://www.sohu.com">Sohu</a>, <a href="http://www.163.com/">Netease</a> oder <a href="http://www.qq.com/">QQ</a> für den westlichen Betrachter unglaublich vollgestopft wirken. Kein Quadratmillimeter des wertvollen Platzes auf den Homepages und anderen Verteilerseiten wird verschenkt. Nur so, so scheint es, können die vielen, vielen Kanäle und Dienste überhaupt zugänglich gemacht werden, die hier zusammengefasst werden. In einem kleinen <a href="http://orchistower.clubvolt.de/?p=32">ad-hoc-Experiment</a> habe ich damals die Zahl der Channels und Links auf der Homepage von sohu.com mit denen bei T-Online verglichen. Den 24 Kanälen und ca 200 Links bei T-Online standen damals 67 Channels und knapp 1000 verlinkten Überschriften bei sohu gegenüber. Doch selbst dieser Vergleich hinkt noch, denn bei Sohu und den anderen chinesischen Portalen setzt sich die charakteristische Fülle von Inhalten auch in der zweiten und dritten Ebene  noch fort.</p>

<div id="attachment_630" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/sohu_homepage_kl.jpg" alt="Homepage von Sohu.com" title="sohu_homepage_kl" width="400" height="272" class="size-full wp-image-630" /><p class="wp-caption-text"><em>Vollgestopft: Die Homepage von Sohu.com</em></p></div>

<p>Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu den westlichen Gegenspielern ist die immense Bedeutung der Community bei den chinesischen Portalen. Vor allem Sina, aber auch Sohu und die anderen Betreiber haben sofort die Bedeutung und das publizistische Potential von Weblogs und anderen interaktiven Formaten erkannt und sich zu Nutze gemacht. Sie treten nicht nur als Hoster für mittlerweile viele zig wenn nicht hundert Millionen Weblogs auf (<a href="http://orchistower.clubvolt.de/?p=35">verlässliche Zahlen sind immer ein Problem</a> am chinesischen Medienmarkt), sie fördern diese auch, indem sie den Bloggern Anreiz bieten, auf redaktionell gepflegten Themenportalen vor einem Multimillionen-Publikum in Erscheinung zu treten. Auf diesen Seiten bekommt man zu Themen wie <a href="http://blog.sina.com.cn/lm/auto/index.html">Autos</a>, <a href="http://blog.sina.com.cn/lm/book/index.html">Bücher</a>, <a href="http://blog.sina.com.cn/lm/mil/index.html">Militär</a> oder <a href="http://blog.sina.com.cn/lm/eatblog.html">Küche</a> die gerade beliebtesten und heißesten Blogs und Beiträge vorgeführt, geschickt garniert mit ein paar eingekauften Celebrity-Bloggern. Und dieser Wettbewerb führt dazu, dass die chinesische Blogosphäre nicht nur sehr viel größer ist als etwa die deutsche, sondern auch sehr viel qualifizierter. Außerdem werden die Blogger von den Portalbetreibern regelmäßig zum Gedankenaustausch eingeladen.
<div id="attachment_639" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/pandaman.jpg" alt="&lt;em&gt;Konzeptkünstler Zhao Bandi und Begleiterin beim Sohu-Bloggertreffen 2007 (Foto:LLM)&lt;/em&gt;" title="pandaman" width="400" height="300" class="size-full wp-image-639" /><p class="wp-caption-text"><em>Konzeptkünstler Zhao Bandi und Begleiterin beim Sohu-Bloggertreffen 2007 (Foto:LLM)</em></p></div></p>

<p>Aber nicht nur auf Blogs kommt die Community zu Wort, praktisch auf allen Kanälen gibt es Interaktion, sei es als Kommentarfunktion unter den Artikeln, sei es in Webforen oder Umfrageformaten. <a href="http://comment.news.sohu.com/">&#8220;Wo shuo liang ju&#8221;</a>, Ich sage zwei Sätze, heißt bei Sohu die Einladung an die Leser, ihre Meinung zu äußern. Und die Chinesen lieben es, sich zu Wort zu melden. Wenn man sich daran erinnert, dass all dies unter den scharfen Augen der Zensurbehörden stattfindet, muss man umso mehr Respekt vor den Portalbetreibern empfinden, die hier tagtäglich hochnotpeinliche Sanktionen riskieren, um ihren Nutzern den Platz einzuräumen, der ihnen im Internet gebührt. (Selbstverständlich haben sie dabei auch ihr Geschäft im Auge&#8230;)
<div id="attachment_638" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/sina_office1.jpg" alt="&lt;em&gt;Eines der Großraumbüros in der Sina-Redaktion&lt;/em&gt;" title="sina_office1" width="400" height="300" class="size-full wp-image-638" /><p class="wp-caption-text"><em>Eines der Großraumbüros in der Sina-Redaktion (Foto:LLM)</em></p></div></p>

<p>All das geht natürlich nicht ohne größeren Personaleinsatz. Ungefähr 1000 Redakteure sind beispielsweise bei Sina.com beschäftigt, neben weiteren jeweils 1000 Mitarbeitern im Bereich Technik und im Bereich Sales. Natürlich spielt dabei eine Rolle, dass junge Journalisten in China <em>noch</em> weniger Geld kosten als hier in Deutschland. Aber man sollte daraus nicht den Schluss ziehen, dass es in den Großraumbüros der Portalredaktionen unprofessionell zugeht. Die Newsredaktion von Sohu, etwa, veröffentlicht neben dem regulären Nachrichtengeschäft jeden Tag vier oder fünf Themenspecials, und ich habe mir erzählen lassen, dass, als Pakistans frühere Ministerpräsidentin Benazir Bhutto im Oktober 2007 einem Anschlag zum Opfer fiel, es keine drei Stunden dauerte, bis eine hochprofessionelle Themenseite, mit Biographie, Hintergründen, Analysen und Quellen, im Netz stand.</p>

<p>Mein persönliches Lieblingsbeispiel ist die <a href="http://cul.sohu.com/s2007/ontheroad/">Themenseite</a>, die Sohu zum 50jährigen  Erscheinungsjubiläum des Beat-Generation-Klassikers &#8220;On the Road&#8221; von Jack Kerouac veröffentlicht hat. Man zeige mir ein deutsches Webportal (oder überhaupt ein deutsches Internetangebot!) das ein solches Ereignis mit so viel Liebe und Aufwand gewürdigt hat oder hätte!</p>

<div id="attachment_640" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/kerouac.jpg" alt="&lt;em&gt;Themenspecial zum 50. Geburtstag von Kerouacs &quot;On The Road&quot; bei Sohu.com&lt;/em&gt;" title="kerouac" width="400" height="328" class="size-full wp-image-640" /><p class="wp-caption-text"><em>Themenspecial zum 50. Geburtstag von Kerouacs On The Road bei Sohu.com</em></p></div>

<p>Doch zurück zu einer weniger persönlichen Perspektive. Die großen chinesischen Portale sind mittlerweile die zentrale Anlaufstelle für die jungen Chinesen, wenn es um jedwede Art von Information geht. Ob Nachrichten, Verbraucherinformationen, Marktberichte von der Börse oder die neuesten Gaming-Erfahrungen, die Portale bedienen alle Bedürfnisse, und sie bedienen sie exzellent. Immer noch dürfen die Portalredaktionen dabei in den meisten Themenfeldern nicht selbst journalistisch tätig werden (Wirtschaft, Lifestyle und Sport sind die Ausnahmen). Aber auch in der Auswahl aggregierter Inhalte aus anderen Quellen kann man sich publizistisches Profil erarbeiten. Und die Portale sind somit &#8211; auch dies anders als in Deutschland &#8211; zu einer wirklich relevanten Instanz in der chinesischen Öffentlichkeit geworden. Relevanter sogar als das chinesische Fernsehen, das, im Gegensatz zu den unternehmerisch betriebenen und mittlerweile durchweg börsennotierten Portalbetrieben weiterhin staatlich organisiert ist und wenig Glaubwürdigkeit genießt.</p>

<div id="attachment_691" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/sina_tvstudio.jpg" alt="&lt;em&gt;Talk mit Schrifstellern in einem der TV-Studios von Sina (Foto:LLM)&lt;/em&gt;" title="sina_tvstudio" width="400" height="300" class="size-full wp-image-691" /><p class="wp-caption-text"><em>Talk mit Schrifstellern in einem der TV-Studios von Sina (Foto:LLM)</em></p></div>

<p>Chinas Portale haben natürlich mit den Beschränkungen des chinesischen Mediensystems und vor allem mit seinen Zensurbehörden zu kämpfen. Sie bemühen sich mal mehr, mal weniger erfolgreich darum, als eigenständige journalistische Medien arbeiten zu können. Wenn es Naturkatastrophen wie das große Erdbeben in der Provinz Sichuan im Jahre 2008 gibt, dürfen sie schon mal ihre eigenen Reporter losschicken, aber in Zeiten politisch heiklerer Ereignisse wie bei den 2008er Olympischen Spielen in Peking, bei den Jahrestagen der brutalen Niederschlagung der Tian An Men-Proteste jeweils am 4. Juni oder beim 60-jährigen Staatsjubiläum der VR China im Jahre 2009 schrumpfen die Spielräume dann sehr schnell wieder zusammen.</p>

<p>Dennoch, ich hoffe, eins ist klargeworden: Diese Portale sind alles andere als ein Auslaufmodell. Im Gegenteil, sie könnten vielen westlichen Betreibern als Vorbild dienen. Denn selbst, wenn man die gewaltigen Personalressourcen und ein potentielles Milliardenpublikum einmal außer Acht lässt (Sina.com rühmt sich gerade 280 Millionen registrierter Nutzer und einer knappen Milliarde täglicher Seitenaufrufe), bleiben die Professionalität, die Dynamik und der Ehrgeiz dieser Anbieter extrem eindrucksvoll. Sie haben es verstanden, jeden nur erdenklichen Winkel in der Lebenswelt ihrer Nutzer publizistisch zu besetzen und &#8211; zum großen Teil &#8211; auch zu monetarisieren. Kein Trend bleibt unbeachtet (nach Videosharing ist momentan Microblogging der aktuelle Hype). Und all das wird auf äußerst clevere Weise im Dialog mit den Nutzern entwickelt, in einer bis in die kleinste Nische gelebten Community.</p>

<div id="attachment_695" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/10/sinamotto1.jpg" alt="&lt;em&gt;Sinas Mission Statement: Bringt die Chinesen auf der ganzen Welt an die vorderste Front des digitalen Lebens! (Foto: LLM)&lt;/em&gt;" title="sinamotto1" width="400" height="300" class="size-full wp-image-695" /><p class="wp-caption-text"><em>Sinas Mission Statement: Bringt die Chinesen auf der ganzen Welt an die vorderste Front des digitalen Lebens! (Foto: LLM)</em></p></div>

<p>Angesichts dieser Eindrücke fällt es schwer, beim Vergleich mit unseren hiesigen Konkurrenten fair zu bleiben. Natürlich ist selbst T-Online als deutscher Marktführer um eine Größenordnung kleiner als die beschriebenen Portale, und es ist dennoch natürlich auch eine Erfolgsgeschichte. Aber wenn man sich das Angebot von T-Online oder anderer deutscher Portalbetreiber genauer anschaut, fällt einem doch schnell auf, dass es hier immer noch an publizistischer Stringenz und Vision fehlt. Die Angebote wirken zusammengewürfelt und unübersichtlich, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier nicht der Nutzer mit seinen Bedürfnissen im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, sondern vor allem die Klickstatistiken der Suchmaschinenoptimierer  oder die Businesspläne der Vermarkter. Und, bei allem Respekt: Weder SEO noch Sales sind in der Lage, eine Erlebniswelt zu gestalten, in die einzutauchen einem breiten Querschnitt der Bevölkerung jeden Tag aufs Neue Spaß macht, und die für sie relevant ist. Da bleibt es dann doch wieder an der von mir eingangs beklagten Bequemlichkeit der Kunden von Suche, E-Mail oder anderen primären Services, die relative Erfolgsgeschichte hiesiger Portale zu erklären. Weit mehr wäre möglich.</p>
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		<title>Beware of the Crowd!</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 10:13:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[In the Chinese public sphere, cyber manhunts have got a lot of attention recently, with western media eagerly following up. This is partly due to the catchy name the chinese are using for the phenomenon. The term Renrou Sousuo (人肉搜索) literally means &#8220;Human Flesh Search Engine&#8221;, opening up a range of possible misinterpretations. Actually, Renrou [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In the Chinese public sphere, cyber manhunts have got a lot of attention recently, with western media eagerly following up. This is partly due to the catchy name the chinese are using for the phenomenon. The term Renrou Sousuo (人肉搜索) literally means &#8220;Human Flesh Search Engine&#8221;, opening up a range of possible misinterpretations. Actually, Renrou Sousuo simply refers to a human-powered &#8216;smart mob&#8217; research for the factual background of some Internet content, not necessarily of a scandalous nature.</p>

<p><span id="more-37"></span></p>

<p>In a <a href="http://news.newamericamedia.org/news/view_article.html?article_id=964203448cbf700c9640912bf9012e05">report from April 2008</a> the Chinese-American writer Xujun Eberlein explains the name by pointing to the Chinese netizens&#8217; tendency to coin slightly outrageous terms, like &#8220;very violent, very pornographic&#8221;, meaning something cool. Eberlein traces the beginning of Renrou Sousuo phenomenon back to the year 2001, when a chinese online community called <a href="http://www.mop.com">mop.com</a> invited readers to &#8220;track down information about movies, books, songs and other trivia&#8221;, which were then posted in a forum area with the title Renrou Sousuo.</p>

<p>In the following years, the resources of the Human Flesh Search Engine turned to juicier topics. The most notorious incident took place in February 2006 when a video turned up on chinese online forums showing a woman cruelly killing a kitten with her high heels. The outraged Internet community, taking clues from the background of the video as well as her shoes, quickly identified her as a 41-year old divorced nurse from Heilongjiang province named Wang Jue. She and the person who had taken the video lost their jobs. (Attentive observers of western Internet will remember a similar episode earlier this year, when a <a href="http://www.cnn.com/2008/US/03/04/puppy.marine/">video showing a marine soldier throwing a puppy off a rock cliff</a> caused a similar scandal.)</p>

<p>In subsequent months there have been countless other incidents, some of whom received broad media coverage. Most were related to alleged &#8216;indecent behaviour&#8217;, meaning promiscuity, extra-marital affairs and the like. During the Sichuan earthquake in May 2008 a girl provoked moral outrage by making some tactless remarks about the victims on a video uploaded to the Net. During the pre-olympic weeks, when infuriated Chinese netizens turned against the allegedly biased reporting of western media on China topics, some of the campaigns <a href="http://zonaeuropa.com/200804b.brief.htm">showed Renrou Sousuo characteristics</a>.</p>

<p>Bridge blogger Roland Soong who has closely followed the phenomenon and provided a lot of examples in his blog EastSouthWestNorth <a href="http://zonaeuropa.com/20060721_1.htm">describes the general pattern as follows</a>:</p>

<blockquote>&#8220;An outrageous event occurs somewhere in China.  Someone posts a description of the event at a Chinese Internet forum.  A storm of passion is generated as the &#8216;human search engines&#8217; dig up the personal particulars of the culprits of the event and publish that information.  A harassment campaign (e.g. telephone calls, threats, etc) is conducted to insure that &#8216;justice&#8217; is served.  Mind you, the culprits are not necessarily guilty of breaking any law.  Usually, it is some alleged moral turpitude or depravity.&#8221;</blockquote>

<p>The discussion about Human Flesh Search has recently got new fuel after one of its victims by the name of Wang Fei filed a lawsuit against two forum providers and an individual for infringing his privacy and reputation. Wang&#8217;s wife had committed suicide last December. Her diary was posted on the Net, accusing him of adultery. In the following cyber campaign he, his parents and his alleged lover were seriously harrassed. Wang had to resign from his post at Beijing&#8217;s branch of Saatchi &amp; Saatchi because of rising pressure on his employer.</p>

<p>Human Flesh Search is not a specifically Chinese phenomenon, the western Internet also knows cyber manhunts. When the German tabloid &#8220;Bild Zeitung&#8221; asked their readers to become &#8216;Reader Reporters&#8217; and take pictures of celebrities in the year 2006, the watchblog &#8220;BildBlog&#8221; invited its readers to <a href="http://www.bildblog.de/ressort/bild-chef-reporter/">take pictures of Bild&#8217;s editor-in-chief Kai Diekmann</a>. Weblogs like BoingBoing or Slashdot <a href="http://www.boingboing.net/2007/09/24/idiot-criminal-uploa.html">gleefully report</a> on thieves of notebook computers who are stupid enough to put pictures of themselves to the victim&#8217;s flickr account. In March 2008 the online community Digg hunted down a thief who stole an XBOX and other devices and subsequently sent voicemail messages from his XBOX account to the victim.</p>

<p>Apart from these more or less light-hearted attempts there are also more serious endeavours going on. There is for example a whole web community called <a href="http://www.perverted-justice.com/">&#8220;Perverted Justice&#8221;</a>, dedicated to identifying pedophiles in Internet chatrooms and exposing them.</p>

<p>But compared with its western counterparts, the chinese culture of cyber manhunt is much more powerful and significant. This is mostly due to scale: With more than 250 million users the Chinese Internet population is the biggest in the world. Also the Chinese users are by far more interconnected than their western counterparts. Even the Internet-savvy US netizens pale in comparison with the Chinese Internet community. As CNNIC numbers for the year 2008 show, nearly 40 percent (98 million) of Chinese Internet users regularly contribute to bulletin board systems, more than 40 percent (107 million) have their own blog. Compare this with Germany, where an important survey in 2008 showed that 76 percent of netizens had never heard of weblogs, and only 6 percent are blog users.</p>

<p>So, by simple networking effects, any campaign on the Chinese Internet can quickly gain an incredible momentum. Also by culture and education, moral issues are highly important to the Chinese. Xujun Eberlein <a href="http://news.newamericamedia.org/news/view_article.html?article_id=964203448cbf700c9640912bf9012e05">refers</a> to the Confucian tradition in Chinese thinking with its emphasis on ethics and righteousness. Another framework for this kind of moralizing behaviour might be found in the more recent, communist past. Both Eberlein and <a href="http://www.forbes.com/2008/11/21/human-flesh-search-tech-identity08-cx_cb_1121obrien.html">Forbes correspondent Chris O&#8217;Brien</a> mention the spectre of the Cultural Revolution with its public criticisms and purges, too long ago for most Chinese netizens to remember, but still strangely formative.</p>

<p>Even withouth explicit reference to this scary historical frame of refence, many Chinese see the Human Flesh Search as a bad thing. In June 2008 China Youth Daily <a href="http://news.xinhuanet.com/english/2008-07/04/content_8491087.htm">conducted a survey</a> with the result that nearly 80 percent of the participants wanted Renrou Sousuo to be regulated, 20 percent feared to become a target. The high-profile Wang Fei lawsuit triggered discussion about the bad privacy protection provided by current chinese law. The Chinese academic community is also dealing with the phenomenon. A conference about new media at People&#8217;s University in Beijing this November had three talks dealing with Renrou Sousuo.</p>

<p>But even considering the excesses of the cyber vigilantes, there are voices emphasizing the more positive aspects of Human Flesh Search. In a country where civil rights and legal protection of the citizens is yet underdeveloped, and the professional media can still not be relied upon to fulfill their role as public watchdog, the Net community has the potential to become a powerful corrective. Xujun Eberlein refers to an <a href="http://www.thefirst.cn/91/2008-04-18/203583.htm">article on the daily newspaper The First</a> expressing the hope that after dealing with entertainment and sexual scandals, the community will turn their attention to topics like government corruption in the future. And David Bandurski of Hongkong University&#8217;s China Media Project gives the <a href="http://cmp.hku.hk/2008/09/09/1225/">english translation of an article by a government prosecutor</a> from Jiangxi province, who points to already existing legal provisions against Human Flesh Search excesses and then argues as follows:</p>

<blockquote>&#8220;If we view &#8216;human flesh searches&#8217; themselves as having &#8216;original sin&#8217;, and if we seek to directly regulate such behavior as a crime, well then, I must regrettably point out that this will be a major blow to the efforts of ordinary people to seek justice. [...] Making &#8216;human flesh searches&#8217; a crime should be rejected from a value standpoint. Like the proposed &#8216;real-name registration system for the Web&#8217; (网络实名制) that met with the disapproval of the vast majority of people, making &#8216;human flesh searches&#8217; a crime is unrealistic and impracticable. Concerning &#8216;human flesh search engines&#8217;, these double-edged swords, we can only &#8216;choose the lesser of two evils&#8217; and remain tolerant of their existence.&#8221;</blockquote>
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